Lieber Micha,

Du bist von der Jugendkammer zum neuen Vorsitzenden des bejm gewählt worden - herzlichen Glückwunsch! Wie geht es Dir damit?

Erst einmal freue ich mich natürlich, dass die Jugendkammer mir diese Aufgabe zutraut.

Es warten nun viele spannende, aber auch zeitlich intensive Aufgaben auf den Vorstand des BEJM und insbesondere auch auf mich. Dies wird in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung – zum einen natürlich, weil ich mich auch mit vielen neuen Situationen auseinandersetzen muss, die durch die Veränderungen unserer neuen Landeskirche - der EKM - und auch durch landespolitische Veränderungen bedingt sind. Zum anderen ist es für mich persönlich eine Herausforderung an mein Zeitmanagement, denn die Verantwortung für den BEJM ist ja ein zusätzliches „Amt“, dass ich neben meinen Aufgaben als Kreisjugendreferent im Kirchenkreis Mühlhausen organisieren muss. Aber die Spannung und das Interesse auf diese Aufgaben überwiegen eindeutig.

Evangelische Jugend 2009 - vor welchen Herausforderungen stehen wir in den kommenden Jahren?

Vor zwei Jahren hätte ich noch als größte Herausforderung die Zusammenführung der Evangelischen Jugendarbeit in der KPS und Thüringen gesehen. Da kann ich allerdings bereits erleben, dass wir hier schon ein ganzes Stück zusammengewachsen sind, was sich bei der gemeinsamen Jugendmitarbeiterkonferenz und auch bei gemeinsamen Veranstaltung zeigt. Was ich allerdings als Herausforderung sehe, ist die Entwicklung einer gemeinsamen Arbeitsstruktur. So befinden wir uns im Jahre 2009 im ersten „Testjahr“ eines gemeinsamen kirchlichen Jugendförderplanes. Hier müssen sich die einzelnen Bereiche aus Thüringen und der KPS stark umstellen und ich hoffe natürlich sehr, dass dies keine negativen Auswirkungen auf die vielfältigen Angebote der Evangelischen Jugend mit sich bringen wird.

Weiterhin müssen wir den bejm noch deutlicher positionieren. Wir sind DAS Sprachrohr und DAS Dach der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in der EKM – egal ob im Bereich der Verbände oder der Kirchenkreise. Meine Vision ist natürlich, dass es ein Automatismus wird, dass der bejm von der Kirchenleitung bei entsprechend relevanten Entscheidungen mit beteiligt und zur fachlichen Beurteilung mit einbezogen wird. Diese Rolle müssen wir uns aber auch erst erarbeiten – und das halte ich für eine wichtige Aufgabe in der nächsten Zeit.

Ja und natürlich soll auch weiterhin die Umsetzung des – aus meiner Sicht wirklich erfolgreichen – Referentenmodells (d.h. in jedem Kirchenkreis gibt es eine/n „Referentin/en für die Arbeit mit Jugendlichen“  und eine/n „…für die Arbeit mit Kindern und Familien“, die jeweils leitende Aufgaben in diesen Bereichen im Kirchenkreis wahrnehmen), das im Gebiet der ehemaligen KPS schon mehrere Jahre praktiziert wird, für den Thüringer Bereich intensiv verfolgt werden. Für den bejm wäre es schließlich auch wichtig klare Ansprechpartner in den Kirchenkreisen zu haben.

Der Dachverband bejm ist ja für die evangelischen Jugendverbände und Partnerorganisationen im gesamten Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, also von Salzwedel bis Sonneberg und von Eisenach bis Elsterwerda da. Von den Gruppen mit Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden ist er weit weg. Wenn Dich ein Jugendlicher in einer Jungen Gemeinde fragt, was der Vorsitzende des bejm macht und wo das für die Junge Gemeinde wichtig ist - was sagst Du da?

Ich sage darauf hin immer: Wenn keiner ein Fußballplatz baut, dann kann auch keine Mannschaft drauf spielen. Ich sehe den bejm als Wegbereiter und Wegbegleiter. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Evangelische Jugendarbeit in ihrer Vielfältigkeit umgesetzt werden kann. Es geht auch darum, auf Themenschwerpunkte hinzuweisen und Hilfestellung zu geben – z.B. auch durch gemeinsame (Vor)arbeit im Jugendpolitischen Ausschuss. Ich möchte aber auch, dass der bejm Arbeitshilfen erarbeitet und zur Verfügung stellt, die dann die einzelnen Jungen Gemeinden nutzen können. Das ist also der eine Aufgabenbereich des bejm, der für die örtliche Ebene wichtig ist.

Das Zweite ist das schon eben gesagte Sprachrohr. Es ist aus meiner Sicht für eine erfolgreiche Kirchenpolitik unausweichlich, dass Voten, Meinungen, Ideen, Sorgen – also die umfangreichen Erfahrungen der örtlichen Ebene – mit in die landeskirchlichen Entscheidungen einfließen. Und hier laufen beim bejm die Fäden zusammen. Die breite örtliche Ebene verdichtet sich über die Vertreter in der Jugendkammer in den Vorstand bis letztlich – wenn man es so will – zum Vorsitz und wir sind dann ein Förderband der örtlichen Perspektive in die Leitung der Landeskirche – so wünsche ich mir das zumindest - Und das kann dann letztlich auch für die einzelne Junge Gemeinde wichtig sein.

Du warst ja schon länger stellvertretender Vorsitzender des Thüringer Dachverbandes EJTh. Und zugleich setzt der bejm die Arbeit der Jugendkammer in der früheren Kirche der Kirchenprovinz Sachsen fort. Du hast ja als Jugendreferent in Mühlhausen, der zu diesem Teil gehörte, auch mit der Jugendkammer zu tun gehabt. Was von dieser Arbeit der Jugendklammer der KPS und der EJTh möchtest Du in den bejm einbringen?

Ach ich kann das auch gar nicht so genau sagen seit wann ich stellvertretender Vorsitzender der EJTh war – da müsste ich jetzt nachrechnen… Wenn ich richtig liege, dann war das so etwas seit 2004. Aber es ist richtig – ich bin nicht so ganz neu in dem Arbeitsfeld. Die Schizophrenie unserer bisherigen Situation habe ich ja bereits 2001 bei meinem Arbeitsbeginn als Kreisjugendreferent im Kirchenkreis Mühlhausen erlebt. Der Kirchenkreis Mühlhausen liegt ja auf dem Gebiet der ehemaligen KPS aber im Bundesland Thüringen – da ja die landeskirchlichen Grenzen nicht deckungsgleich mit den Bundeslandgrenzen sind. Ich bekam eine Einladung vom CVJM Thüringen zur Fachkonferenz Jugendarbeit und der Landesjugendpfarrer der KPS sagte mir, dass sei für mich nicht relevant, da die KPS mein Arbeitsbereich ist. Durch diese Situation zwischen den beiden Bereichen war ich anscheinend prädestiniert einen Blick für Beides zu bekommen, daher wurde ich in die Jugendkammer der KPS delegiert und auch recht schnell in ein damals existierendes Spezialkonstrukt – die Evangelische Jugend der KPS in Thüringen (EJKPSiTh), ein Arbeitsgremium, dass sich explizit um die Belange der Kirchenkreise der KPS auf dem Gebiet des Bundeslandes Thüringen kümmern sollte– berufen. Dann wurde die EJTh um die EJKPSiTh„erweitert“ – ein vernünftiger Schritt. Diese war dann für das komplette Bundesland Thüringen zuständig. Als ein Bestandteil der EJKPSiTH arbeitete ich intensiv an dem Prozess mit und wurde dann in der „neuen“ EJTh zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Also es schwingt schon eine Menge Geschichte mit und die unterschiedlichen Prägungen – Jugendkammer der KPS war eher strukturell geprägt und die EJTh mehr Lobby und jugendpolitischer Vertreter – tun in einer gesunden Mischung dem bejm sehr gut. Es gibt keine konkret zu benennenden Dinge aus den jeweiligen Bereichen, es sind die wirklich sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen und Strukturen der beiden alten Gremien, die sich nun im bejm zusammenraufen müssen, sich aber auch gegenseitig bereichern und das ist eine wunderbare Chance.

Als Jugendreferent im Kirchenkreis hast Du ja eigentlich schon genug zu tun. Nun kommt diese Aufgabe dazu. Wie schaffst Du das?

Ja wie am Anfang schon erwähnt, es ist eine Herausforderung an das Zeitmanagement. Aber zum einen weiß ich einen hervorragend aufgestellten und wunderbar funktionierenden Kirchenkreis hinter mir, der das Engagement auch unterstützt. Zum anderen muss man jedoch auch sagen, dass ich vorher, wie schon erwähnt, in der Jugendkammer der KPS gesessen habe – die tagt ja immer in Magdeburg, so dass mit der Fahrzeit auch ein kompletter Tag dafür eingeplant werden musste und im Vorstand der EJTh vertreten war. Somit ist der bejm nun kein zusätzliches Gremium mehr sondern, zeitlich gesehen,  ein Ersatz für die beiden alten Gremien. Das wiegt schon eine ganze Menge wieder auf.

Wenn in vier Jahren nach der Ordnung des bejm wieder ein Vorstand gewählt wird, was möchtest Du einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger mitgeben?

Also da muss ich natürlich erst einmal eine Zeit als Vorsitzender praktisch erleben um einschätzen zu können in welche Richtung das Schiff nun fährt. Ich würde vorschlagen, dass mir diese Frage dann in 4 Jahren noch mal gestellt wird, dann kann ich mit Sicherheit eine umfangreiche Antwort darauf geben.

Lieber Micha, wir wünschen Dir die Kraft und den Mut, die Dinge, die Du dir vorgenommen hast, erledigen zu können. Und wir wünschen Dir, dass Du dabei immer wieder spürst, dass Du damit nicht allein bist, weil andere Dich unterstützen und weil Gottes guter Geist mit dabei ist! Danke für das Gespräch.

Sehr gerne – ich danke auch.

 

(Das Interview führte Matthias Sengewald)