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Uwe Koch

Pfarrer Uwe Koch ist verstorben. Er war eine der prägenden Personen für die Jugendarbeit und das Friedenszeugnis der Evangelischen Kirchen.

 

 

Er verstarb am 8. Oktober 2013, in Magdeburg im Alter von 63 Jahren, wenige Tage nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand.

 

 

Uwe Koch prägte die Friedens- und die Jugendarbeit in Thüringen und Sachsen-Anhalt

In einer Feierstunde in der Magdeburger Wallonerkirche wurde am 26. September Pfarrer Uwe Koch, einer der profiliertesten kirchlichen Friedensaktivisten, aus dem beruflichen Dienst verabschiedet. Eine weichenstellende Wegstation des gebürtigen Jenensers war die Totalverweigerung des Wehrdienstes nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag am 21. August 1968. Darauf standen Haftstrafen. Nationale Volksarmee und Staatsicherheit halfen sich gegenüber Uwe Koch wie bei anderen der kleinen Gruppe der Totalverweigerer mit der Feststellung der „Wehruntauglichkeit“.

Eine berufliche Zukunft im staatlichen Bereich war ihm danach allerdings verschlossen. Ihm blieb der Weg in den kirchlichen Dienst. Nach Bestehen einer Sonderreifeprüfung studierte er ab 1969 Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dort lehrte als Dozent für Praktische Theologie Klaus-Peter Hertzsch, der ihm wichtige biblische Impulse für seine Friedensarbeit gab.

Im ersten Studienjahr betreute Uwe Koch als erster Jugendmitarbeiter die eben gegründete Junge Gemeinde Jena-Stadtmitte, die sich zu einem Zentrum der alternativen kirchlichen Szene entwickelte. Gern erzählt er, wie durch gezielte Werbung – wie die subversive Verteilung von Streichholzschachteln mit Einladungen in den städtischen Kneipen – bald 30 bis 40 Langhaarige auf einem Hinterhof in der Johannisstraße 14 gemeinsam ihre Freizeit verbrachten, gewaltfreie Lebensmodelle prüften, unerwünschte Musik horten und selbst produzierten.

Aus dem Zusammentreffen des 1976 nach Rudolstadt berufenen Gemeindepfarrers Uwe Koch mit dem Braunsdorfer Pfarrer Walter Schilling und seiner gesellschaftskritischen „Offenen Arbeit“ entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, die zu den legendaren Jugendtreffen „June 78“ mit 1000 und „June 79“ mit 2000 Teilnehmern führte. Danach wurden die Treffen verboten.

Uwe Koch war von 1977 bis 1989 in der Beratungsarbeit für Wehrdienstverweigerer tätig. Seit 1982 gehörte er zu den Impulsgebern der Initiative für einen „Sozialen Friedensdienst“ und war wenig später im „Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ aktiv. Als Mitglied im Vorbereitungsausschuss für die Ökumenischen Versammlungen 1988 bis 1989 in Dresden und Magdeburg hatte er Anteil an der Formulierung der friedensethischen Forderungen, die die Veränderungen 1989 maßgeblich begleiteten.

Mit der Berufung zum Provinzial -jugendpfarrer 1989 wurden in bewegter Zeit Magdeburg und die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) zum Dienst- und Lebensmittelpunkt.

In der Beratergruppe am Magdeburger Dom begleitete er die Friedensgebete und Demonstrationen im Herbst 1989. Er gehörte zur Regierungskommission zur Auflösung der Stasi im Bezirk Magdeburg und gestaltete am Runden Tisch Jugend die demokratischen Veränderungen in der Jugendarbeit mit. Im Frühjahr 1992 berief ihn die Synode der KPS zum Provinzialpfarrer für Kriegsdienstverweigerung, Zivildienstseelsorge und Friedensarbeit – Lebensthemen von Uwe Koch. Nach Auslaufen der Stelle 1998 wurde er Gemeindepfarrer in der Matthausgemeinde, verbunden mit einem Dienstauftrag als Polizeiseelsorger. Zu seinen Verdiensten gehört der Aufbau der Notfallseelsorge in Magdeburg.

Durch die Thüringer Jahre zog sich die Mitarbeit im Arbeitskreis „Kirche und Judentum“. Die jüdischen Wurzeln von Uwe Koch – der Großvater mütterlicherseits wurde in Buchenwald ermordet – flossen in seine Liebe zu Israel ein. Fünfzehn Mal hat er seit 1990 das Land bereist. Hier lebt sein ältester Sohn mit seiner Familie.

Über seinen letzten Arbeitstagen stand als Wochenspruch das Wort aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 5,4 „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“. Die Liebe und der Friede, die Christus schenkt, erweisen sich stärker als alle Mächte. Das, sagt der Christ und Pfarrer Uwe Koch, habe ihn allezeit getragen. Die Kirche in Mitteldeutschland darf dankbar sein für ihn, seine Friedensliebe, seine Zivilcourage und für ein praktisches Glaubenszeugnis, das, recht verstanden, immer persönlich und politisch zugleich ist.

Sebastian Neus,
stv. Superintendent, Magdeburg
Aus
Glaube und Heimat Nr. 41 vom 13. Oktober 2013

Ein Nachruf von Ulrich Töpfer

Dieses Jahr scheint kein gutes Jahr für die Menschen zu sein, die sich so sehr für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt haben. Gerade noch wurde Uwe in der letzten Glaube und Heimat für sein Lebenswerk geehrt, schon ist er gestorben. Es geht mir sehr nahe. Uwe war ein Mensch und Freund, der meinen Lebensweg sehr geprägt hat. Durch ihn wurde ich Delegierter der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Wir haben zusammen die Folgetreffen organisiert. Er war dabei, als wir in Meiningen die einzige grenzübergreifende Friedensaktion gemacht haben. Er hat mich gebeten, etwas in dem Buch über die Bausoldaten zu schreiben und und und. Ich habe mir damals nicht viel zugetraut; er hat immer wieder gesagt: "Uli, du kannst das und du machst das auch". Und es hat geklappt. Ich sehe ihn noch vor mir, Rotwein trinkend und dabei eine Freude ausstrahlend, die ansteckte. Ich sehe ihn bei June in Rudolstadt, wie er ganz aufgeregt im Altarraum stand. Oder ich denke an die vielen Artikel die er zur Friedensbewegung der DDR geschrieben hat. Das war sein Talent. Und es war so wichtig, die Erinnerung festzuhalten. Als Kreisjugendpfarrer von Rudolstadt und Landesjugendpfarrer der Kirchenprovinz Sachsen gehört er zur Geschichte der evangelischen Jugendarbeit, die er mit geprägt hat. Jugendarbeit verstand er immer auch politisch. Er wurde dann auch der erste Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen. Es ging ihm darum, die Verhältnisse zu ändern, in denen die Menschen lebten. Jetzt ist er tot und was bleibt ist Trauer.

Ulrich Töpfer

30 Jahre FriedensDekade - Eröffnung der Ausstellung und der Dekade 2009