kurze Chronologie der Ereignisse

Lern- und Gedenkort ehemalige Stasi-U-Haft Andreasstraße Erfurt

4. Dezember 1989

Bürger besetzen die Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt, die erste in der DDR. Weil die U-Haft auf Grund der von Egon Krenz verfügten Amnestie nicht belegt war, wurden hier Akten der Kreisdienststellen eingelagert. Damit blieb die oberste Etage im Westflügel im Zustand von 1989 erhalten.

Januar 1999

Die „Gesellschaft für Zeitgeschichte“ wird von ehemaligen Bürgerkomitee-Mitgliedern gegründet, von Beginn an gibt es Überlegungen für eine Bildungs-und Gedenkstätte an die DDR-Diktatur und die friedliche Revolution 1989.

2002

Frau Dr. Herz, Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, erfährt von Überlegungen, das Gebäude abzureißen, und informiert die Gesellschaft für Zeitgeschichte

Ende 2003

Die obere Denkmalschutzbehörde informiert die Gesellschaft für Zeitgeschichte und die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen über Abrisspläne.

2. April 2004

In einer Begehung des Gebäudes mit der neu gewählten Landesbeauftragten, der Gesellschaft für Zeitgeschichte, Polizeidirektion und Denkmalschutz werden erste Pläne zur Einrichtung einer Gedenkstätte gemacht.

15. Juni 2005

Die Ausstellung "Einschluss" wird eröffnet. Sie erreicht eine sensibilisierte Öffentlichkeit, das Vorhaben einer Gedenkstätte wird konkreter. Es folgen weitere Ausstellungen. Träger ist die Gesellschaft für Zeitgeschichte, beteiligt sind die Landesbeauftragte und eine Gruppe ehemals Inhaftierter.

7. Dezember 2005

Die Gesellschaft für Zeitgeschichte fasst einen Grundsatzbeschluss, sich an einer künftigen Bildungs- und Gedenkstätte zu beteiligen, lehnt aber eine alleinige Trägerschaft ab.

2006

Mitarbeiter/innen der Landesbeauftragten beginnen mit Zeitzeugenführungen, vorwiegend mit ehemals Inhaftierten der Stasi-U-Haft.

Sommer 2006 und 2007

Das Projekt "Einschluss" wird weitergeführt. Träger ist Radio FREI , beteiligt sind die Landesbeauftragte, die Gesellschaft für Zeitgeschichte und eine Gruppe ehemals Inhaftierter.

2007

Die Gesellschaft für Zeitgeschichte erarbeitet ein Konzept für eine Bildungsstätte zur Diktatur in der DDR, die Landesbeauftragte und eine Gruppe ehemals Inhaftierter sind beteiligt. Wegen unterschiedlicher Auffassungen legen diese ein Alternativkonzept vor, das sich auf eine Haftgedenkstätte konzentriert.

Oktober 2007

Aus der Gruppe ehemals Inhaftierter wird „Freiheit e.V.“ gegründet.

Ende 2008

Die Landesregierung setzt eine Expertenkommission unter Leitung des Historikers Prof. Peter Maser ein, sie legt am 30. September 2008 die Eckpunkte für eine Konzeption vor.

Januar 2009

Mit einen Kabinettsbeschluss wird der Stiftung Ettersberg die Trägerschaft über die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße übertragen

Januar 2009

„Freiheit e.V.“ wendet sich erstmals an die Öffentlichkeit mit Vorwürfen an die Landesregierung, dass die Haftopfer nicht angemessen beteiligt werden, der Verein fordert, die Trägerschaft der künftigen Gedenkstätte übertragen zu bekommen.

11. Juni 2009

Der "Thüringer Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur", gründet sich als Arbeitsgemeinschaft der Aufarbeitungsinitiativen und -einrichtungen, Gedenkstätten und Grenzmuseen

27. Juli 2009

Die Landesregierung gründet die unselbständige Stiftung "Gedenken Erinnern Lernen", die die Trägerschaft der neuen Einrichtung wahrnehmen soll.

Januar 2010

Mitglieder von Freiheit e.V. besetzen die ehemalige U-Haft, um ihrer Forderung nach Trägerschaft Nachdruck zu verleihen.

18. 3. 2010

Die „Gemeinsame Erklärung“ von "Freiheit e.V." und der "Gesellschaft für Zeitgeschichte" über die gemeinsamen Ziele für die Gedenk- und Bildungsstätte werden unterzeichnet, die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) schließt sich dem im Juni an: „In der Bildungs- und Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt sollen Zeitzeugen unter Wahrung ihrer jeweils individuellen Erfahrungen in der konzeptionellen Erarbeitung, den Ausstellungen, der Bildungsarbeit und im Dialog mit wissenschaftlicher Arbeit beteiligt sein. Zeitzeugen sind Opfer und Akteure der Überwindung der SED-Diktatur ebenso wie die Menschen. die die Folgen der SED-Diktatur im Alltag ertragen mussten; Widerstand und Opposition und Haft müssen sich wiederspiegeln.“

26. März 2010

Freiheit e.V., VOS, Gesellschaft für Zeitgeschichte schließen jeweils Vereinbarungen mit dem Kultusministerium zu Mitarbeit und Kooperation der Zeitzeugen ab.

Ende Mai 2010

Eine Historiker-Kommission zur Erarbeitung einer "Landesförderkonzeption für Gedenkstätten und Lernorte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen" beginnt mit ihrer Arbeit.

4. Juni 2010

Der Beirat für die Bildungs- und Gedenkstätte mit den drei Vereinen konstituiert sich. Er tagt unter der Leitung von J. Heise (Freiheit e.V.) aber nur drei Mal. 

1. Juni 2010

Eine Arbeitsgruppe beginnt mit der Arbeit für das Grundkonzept der Bildungs- und Gedenkstätte.

17. Juni 2010

Mit einem Festakt wird der Baubeginn der Bildungs-und Gedenkstätte gefeiert. Am 1. Juli beginnen die eigentlichen Bauarbeiten.

29. Juni 2010

Parallel dazu und ohne Absprache beginnt „Freiheit e.V.“ mit der Erarbeitung eines eigenen Konzepts, die Ergebnisse von 4 Workshops werden am 21. Oktober öffentlich vorgestellt.

1. Oktober 2010

Stefanie Wahl wird mit der weiteren Erarbeitung der Ausstellungskonzeption beauftragt, die Leilinien dafür waren in der Konzept-Arbeitsgruppe gemeinsam festgelegt worden.

3. 12. 2010

Die Konzeptarbeitsgruppe befasst sich mit dem vorgelegten Zwischenergebnis und auch mit dem Alternativ-Konzept und bildet eine Projektgruppe, die ein gemeinsames Konzept vorlegen soll.

3./4. Februar 2011

Freiheit e.V., VOS und die Landesbeauftragte üben scharfe Kritik an dem Konzeptentwurf von Frau Wahl als „DDR-Museum auf kleinstem Raum“. Sie fordern stattdessen die Umsetzung ihres parallel erstellten eigenen Konzepts, das die Haft der Stasiopfer und das Gedenken an diese in den Mittelpunkt stellt. Freiheit e.V. hatte bereits in Schreiben vom 17. bzw. 24. 1. 2011 seine Mitarbeit unter diesen Bedingungen für beendet erklärt.

16. Februar 2011

Die Historiker-Kommission legte die Empfehlungen für eine „Landesförderkonzeption für Gedenkstätten und Lernorte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ vor:
"Die Andreasstraße eignet sich in besondere Weise dafür, die Geschichte der SED-Diktatur und ihrer Überwindung in Thüringen unter besonderer Berücksichtigung der Andreasstraße als MfS-Haftanstalt darzustellen. Geeignet dafür wäre die Verknüpfung mit einer Dauerausstellung zur Geschichte der SED-Diktatur und ihrer Überwindung in Thüringen in Verbindung mit einem „Erfahrungsgeschichtlichem Forum“, das der Vermittlung unmittelbarer Erfahrungen insbesondere politischer Häftlinge bzw. von Opponenten gegen die SED-Diktatur dient.
Um den Gedenk- und Lernort Andreasstraße auf hohem fachlichen Niveau dauerhaft abzusichern, empfiehlt die Kommission die institutionelle Förderung und eine institutionelle Verbindung mit der Stiftung Ettersberg."

4. März 2011

Die Arbeitsgruppe tagt abschließend zu der Konzeption. Zahlreiche Vorschläge, u.a. aus dem Konzept von Freiheit e.V. sind in das im Auftrag der Arbeitsgruppe von Frau Wahl erarbeitete Konzept eingeflossen. Freiheit e.V. und VOS teilen vorher mit, dass sie nicht zu der Sitzung kommen, weil sie ihre Vorschläge nicht ausreichend berücksichtigt sehen.
Das Ergebnis wird als Ausgangsbasis für die weitere detaillierte Erarbeitung bestätigt.

15.  Juni 2011

Der Stiftungsrat der Stiftung „Gedenken-Erinnern-Lernen“ stimmt der Rahmenkonzeption für die Ausstellungsgestaltung in der Erfurter Andreasstraße mit nur einer Gegenstimme zu.

Die Gesellschaft für Zeitgeschichte hat mit ihrer Stellungnahme vom 31. 5. 2011 die Konzeption befürwortet.

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen lehnt das Konzept nach wie vor ab. TA-Interview vom 14.6.11

Der Verein "Freiheit e.V." hat sich seit März 2011 nicht mehr an der Erarbeitung beteiligt und seine weitere Mitarbeit bei der Jahreshauptversammlung am 14. 5. 11 an Bedingungen geknüpft, die insbesondere das von Freiheit e.V. erarbeiteten „Zeitzeugen‐Historiker‐Konzept“ als Grundlage akzeptiert, die Einrichtung „als ein Ort politischer Haft“ versteht und eine Trägerschaft der Stiftung Ettersberg ablehnt.

Die Erfurter Bezirksgruppe der VOS Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.  stimmte nach einer Mitgliederversammlung am 23.05.2011 mit nur einer Gegenstimme dem Konzept zu. Daraufhin kam es zu Kontroversen  mit der Landesbeauftragten und später mit dem Vorsitzenden von Freiheit e.V..

Neu beteiligt sich auch der am 26.10.2010 gegründete Verein AufRecht e.V.

14. Juli 2011

Öffentliche Präsentation der Konzeption durch das Kultusministerium. Zahlreiche Interessierte sicherten ihre Mitarbeit als Zeitzeugen zu.

September 2011

Die Erarbeitung eines Detailkonzeptes der Ausstellung wird ausgeschrieben.

November 2011

Nach einer öffentlichen Ausschreibung schlägt eine Findungskommission als Leiter für den Aufbau der Gedenk- und Bildungsstätte den Berliner Opens external link in new windowHistoriker und Publizisten Jochen Voit einstimmig vor. Die Berufung wurde vom Stiftungsrat und dem Kultusministerium noch im November bestätigt.

29. November 2011

Die Landesregierung beschießt  die Opens external link in new windowZusammenlegung der Stiftung „Gedenken Erinnern Lernen“ mit der Stiftung Ettersberg. Die neue Einrichtung wird den Namen „Stiftung Ettersberg Europäische Diktaturerforschung – Aufarbeitung der SED-Diktatur – Gedenkstätte Andreasstraße“ tragen.
Die neue Stiftung soll sowohl einen wissenschaftlichen Beirat als auch einen Beirat erhalten, der sich vorrangig mit Themen der Aufarbeitung beschäftige. Die Vorsitzenden beider Gremien werden gemeinsam mit Vertretern der Landesregierung und Landtagsabgeordneten den neuen elfköpfigen Stiftungsrat bilden.

15. Dezember 2011

Der Stiftungsbeirat der Stiftung Ettersberg beschließt mit mehr als der notwendigen Zweidrittelmehrheit eine Satzungsänderung, um den Zusammenschluss der Stiftung mit der Stiftung Gedenken, Erinnern, Lernen vollziehen und deren bisherige Aufgabe, die Trägerschaft für die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, übernehmen zu können.

27. Januar 2012

Baustellen-Besichtigung in der Andreasstraße. Es nehmen teil: Mitglieder von der VOS, Freiheit e.V., Aufrecht e.V. und der Gesellschaft für Zeitgeschichte, Dr. Jochen Voit, Martina Jung und Anneke de Rudder vom Büro "ikon-ausstellungen", Prof. Dr. Hans-Joachim Veen und Michael Siegel von der Stiftung Ettersberg und Ralph Holeschovsky von der OFB-Projektentwicklngsgesellschaft.

1. Februar 2012

Der Leiter des Aufbaustabes, Herrn Dr. Jochen Voit, nimmt seine Arbeit auf, Martina Jung und Anneke de Rudder vom Büro "ikon-ausstellungen" übernehmen die Weiterarbeit an der Ausstellungskonzeption.

14. Februar 2012

Zweiter öffentlicher Gesprächskreis für die Dauerausstellung in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße

Die Sanierung des Gebäudes wird voraussichtlich Ende 2012 abgeschlossen sein.

 

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