"Freiheit e.V.", die Erfurter Gruppe der "Vereinigung der Opfer des Stalinismus" und die "Gesellschaft für Zeitgeschichte" haben am vergangenen Freitag 26. 3. 2010 jeweils eine annähernd gleichlautende Vereinbarung über die Mitarbeit in der Bildungs- und Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt mit dem Thüringer Bildungs- und Kultusministerium unterzeichnet.

Zum Text der Vereinbarung

Erfurter Andreasstraße: "Konstruktive Arbeit kann jetzt beginnen"

Mit der Unterzeichung der Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur künftigen Gedenkstätte Andreasstraße erzielt worden.

Erfurt. Die Stiftung Gedenken-Erinnern-Lernen Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat am Freitag mit der Gesellschaft für Zeitgeschichte, dem Verein Freiheit e. V. sowie der Bezirksgruppe Erfurt der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) die Mitwirkung der Aufarbeitungs- und Opferinitiativen bei der Entwicklung und beim späteren Betrieb der Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt vertraglich geregelt.

Ich bin heilfroh, dass jetzt die konstruktive Arbeit beginnen kann, erklärt im TLZ-Gespräch Barbara Sengewald von der Gesellschaft für Zeitgeschichte. Sie spricht von einem Erfolg der Aufarbeitungsinitiativen. Mit der jetzigen Kooperation werde auch das bereits lange Jahre andauernde Bemühen um die Gedenkstätte gewürdigt, hebt sie hervor.

Christoph Matschie (SPD) betont, das die Mitarbeit von Aufarbeitungs- und Opferinitiativen eine große Chance sei. 

Gerlinde Sommer / 27.03.10 / tlz

Vertrag zum Aufbau und Betrieb der Gedenk- und Bildungsstätte unterzeichnet

In den Verhandlungen um die künftige Stasi-Opfer-Gedenkstätte in der Andreasstraße wurde am Freitag ein Vertrag zwischen Opferverbänden und Kultusministerium unterzeichnet.

Die Gespräche der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) mit dem Thüringer Kultus-Staatssekretär Thomas Deufel über die Mitwirkung der Opferverbände beim Aufbau und Betrieb der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Knast haben zu einem Durchbruch geführt, so Wolf-Dieter Meyer, Thüringer VOS-Landesvorsitzender. Das Kultusministerium habe zugesichert, dass die Verpflichtungen aus dem Kooperationsvertrag von einem Rechtsnachfolger der Stiftung "Gedenken-Erinnern-Lernen" übernommen werden. Damit wurde der letzte noch offene Streitpunkt ausgeräumt. </text><text>Mitglieder des Erfurter Vereins Freiheit hatten am Neujahrstag den früheren Stasi-Knast besetzt. Sie forderten die Trägerschaft für die Gedenkstätte, Mitspracherecht bei deren Konzept sowie eine finanzielle Sicherstellung für Verein und Gedenkstätte.  Mit dem unterzeichneten Vertrag werde die Mitwirkung der Aufarbeitungs- und Opferinitiativen an der Entwicklung und dem späteren Betrieb der Gedenkstätte festgeschrieben, erklärte das Kultusministerium. Der Thüringer VOS-Landesvorsitzende stellte fest: "Die Vereinbarung ist tragfähig und inhaltsreich. Sie sichert allen Beteiligten die konstruktive Mitwirkung auf gleicher Augenhöhe beim Aufbau und Betrieb der Gedenk- und Bildungsstätte." Die Bemühungen der VOS hätten zu einem für alle Seiten akzeptablen Vertragstext geführt. Der Vertrag sieht vor, dass die drei Vereine VOS, Freiheit e.V. und Gesellschaft für Zeitgeschichte an den Bauberatungen mitwirken sowie Vertreter in die zu bildende Kommission zur Findung eines Gedenkstättendirektors und in die Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Dauerausstellung entsenden. Im Beirat der Gedenk- und Bildungsstätte werden die Vereine mit jeweils drei Vertretern mitarbeiten. Für die eigenen Aktivitäten der drei Vereine im Rahmen des Betriebes der Gedenkstätte sollen in deren Wirtschaftsplan jährlich gesonderte Finanzmittel vorgesehen werden. Zudem wird zugesichert, dass die Vereine die Infrastruktur der Gedenkstätte nutzen können. 

ah / 27.03.10 / TA


Abgeschlossen: In dem Streit um das ehemalige Stasi-Gefängnis konnten sich die beteiligten Vereine nun auf eine Nutzung als Gedenk- und Bildungsstätte einigen und unterzeichneten am Freitag den Vertrag. Foto: Jens König