Wohin gehen die Tage, die guten und die schlechten, die schönen und die grauen, die aufregenden, erlebnisreichen und langweiligen, eintönigen und alltäglichen?
Wohin gehen die Tage, nachdem sie durch uns hindurch gegangen sind?
Wohin gehen die Tage?
Die Zeit hat ihre eigene Gangart.
Als kleines Kind kroch die Zeit. In der Jugendzeit lebt die Zeit so locker vor sich hin. Werden wir älter, dann vergeht die Zeit mit riesen Schritten.
Wir haben viel Zeit. Sie liegt hinter uns. Sie ist jetzt. Sie liegt vor uns.
Ein irisches Sprichwort sagt:
"Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht."
In unserer schnelllebigen, sich ständig verändernden Gesellschaft spüren wir nur noch selten etwas von dieser Weisheit. Manchmal ist es wie eine Achterbahn - alles geschieht in einem atemberaubenden Tempo.
Wir empfinden unsere Zeit häufig als zu knapp bemessen und wünschen uns doppelt so viele Stunden um alles schaffen zu können.
In einem Brief des Neuen Testaments schreibt der Apostel Paulus:"Kaufet die Zeit aus."
Die Lateiner sagen: "Carpe diem"
Zeit ist ein kostbarer Schatz - den wir nicht verschwenden sollten.
Die Zeit ist Kapital, das wir so sorgfältig und wohl bedacht für uns und andere nutzen und gestalten können.
Das Wort Zeit ist abgeleitet von dem germanischen Wort: tid, das bedeutet: teilen. Zeit ist immer etwas, das man mit anderen teilt.
Die Zeit ist zielgerichtet und unumkehrbar. Jeden Tag bekommen wir sie. Und zwar nicht nur einmal, sondern jeden Tag. Jeden Tag in der Woche, 365 Tage im Jahr. Jeden Tag 1.440 Stück davon. Nicht mehr und nicht weniger.
Und immer wenn der Tag vorbei ist, sind sie weg.
Ich meine die 1.440 Minuten am Tag, die zu einem Tag gehören. 60 pro Stunde. 1.440 pro Tag. Lebenszeit, geschenkte Zeit.
Was fangen wir damit an?
Die Statistiker sagen uns:
Etwa 90 Minuten verbringen wir mit Essen. Rund 370 Minuten verwenden wir, um zu arbeiten oder zur Schule zu gehen, Hausaufgaben zu machen und so weiter. 420 Minuten schlafen wir.
Dann bleiben noch 560 Minuten, die wir mehr oder weniger frei verwenden können. Wir können uns mit Freunden treffen, Musik hören, ein Buch lesen, fernsehen, am Computer sitzen. Oder ganz andere Dinge tun.
Mir geht es manchmal so: Wenn ein Tag vorbei ist, frage ich mich, was ich eigentlich mit meiner Zeit angefangen habe. Mir kommt es dann so vor, als hätte ich die meiste Zeit vertrödelt.
Obwohl die Zeit auf der Erde im Grunde immer gleich vergeht und alle Uhren gleich schnell gehen, ist unser Zeitgefühl, unsere Zeitwahrnehmung ganz unterschiedlich, je nach Situation, innerem Zustand und dem Ort an dem ich mich befinde.
Ja, so ist das mit der Zeit. Es ist wahr - Zeit ist relativ.
Das folgende Gebet, war mir manchmal eine Hilfe. Ich möchte es euch mit auf den Weg ins neue Jahr geben.

GEBET
Herr meiner Stunden und meiner Tage,
du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir.
Sie war mein und sie wird mein, und ich habe sie von dir.
Ich danke dir für jede Stund meines Lebens und
für jeden Schlag der Uhr. Ich bitte dich nicht, mir
mehr Zeit zu geben, ich bitte dich aber, jede Stunde
sinnvoll und ohne Hektik mit Leben zu erfüllen.
Ich bitte dich, dass ich ein wenig dieser Zeit frei halten
darf von Befehl und Pflicht, ein wenig, um ganz Mensch
sein zu dürfen... Ich bitte dich um Sorgfalt, dass ich meine
Zeit nicht sinnlos vergeude. Jede Stunde ist ein Geschenk von
dir. Ich möchte sie mit Liebe füllen, mit Gedanken und Gesprächen,
damit Frucht wächst, für Zeit und Ewigkeit. Herr, segne meine Zeit.
                                                                     Jörg Zink